Die alte Pfarrkirche von Namen Jesu

Das Äußere der alten Kirche

Das Langhaus der alten Kirche war ein Rechteck, dessen Längsseite von Ost nach West ausgerichtet und an dessen Südostecke der Turm unmittelbar angebaut war. In der Mitte der Ostseite befand sich das Hauptportal, das durch einen Vorbau die ansonsten glatte und immerhin 17 Meter hohe Giebelseite auflockerte. Daneben enthielt die Ostseite nur zwei kleine, kreisrunde Fenster links und rechts des Hauptportals, die mit aus Schmiedeeisen gefertigten Symbolen des Namens J esu und Mariens verziert waren, und im oberen Teil des Giebels eine Maueröffnung in Kreuzform, die neben ihrer Schmuckfunktion gleichzeitig das Dach belüftete. Ähnliche Funktion hatten die beiderseits je drei Dachgaupen, die das riesige Ziegeldach untergliederten. An der Nord wie an der Südseite besaß das Langhaus sechs schmale, hochgezogene Rundbogenfenster, die dem Kirchenraum reichlich Licht spendeten. Die Nordseite der Kirche, die an die Saherrstraße grenzte, wies zwischen dem von Westen aus gesehen zweiten und dritten Fenster den zweiten Eingang der Kirche auf. Auch dieser Eingang war mit einem Vorhaus überbaut, das hier bis unmittelbar an die Straße heranreichte. Da man durch das Südportal, auf gleicher Höhe wie das Nordportal gelegen, in den Hof gelangte, verzichtete man da auf ein Vorhaus. Unmittelbar neben dem Südeingang führte eine Treppe zur Unterkirche, die bis zum Bau eines Pfarrsaals im J ahre 1969 der einzige größere Versammlungsraum für außergottesdienstliche Veranstaltungen blieb. Im Westen schloß sich an das Langhaus der halbrunde Chor an, in den nur auf der Nordseite durch drei kreisrunde Fenster Licht einfiel und an den im Süden die Sakristei mit einem schräg abfallenden Dach angefügt war.

Das Innere der alten Kirche

Der Innenraum der 42 Meter langen und 16 Meter breiten Kirche war im Langhaus mit einer auf vier Säulen ruhenden Überwölbung ausgestattet, die dem Raum eine feierliche Stimmung schenkte. Der Chor war zugunsten des hell belichteten Versammlungsraumes eingezogen, durch einen runden Chorbogen abgesetzt und zusätzlich am Chorbogen durch eine, dann durch fünf Stufen erhöht Durch die drei kleinen kreisrunden Fenster auf der Nordseite wurde der Chor nur schwach beleuchtet und somit auch lichtmäßig vom Langhaus getrennt Der Chor lag nämlich, wenn nicht künstliches Licht eingeschaltet war, meist im Dämmerlicht, war stets dunkler als das Langhaus. Gerade dieser Lichtkontrast, vor allem das Dämmerlicht des Chores, waren meiner Meinung nach der Grund dafür, warum die alte Kirche mystisch wirkte und den Neufriedenheimern so sehr ans Herz gewachsen war.

Das Grundkonzept der Kirche war das einer dreischiffigen Basilika, deren Dreischiffigkeit aber nur durch das Gewölbe und die vier Säulen angedeutet wurde, die freilich die Einheit des Versammlungsraumes nicht stören bzw. zerstören sollte. Die Gewölbe der Seitenschiffe, deren Bogenspannungen halbkreisförmig waren und die sich hier überkreuzten und durchschnitten, jedoch an den Seitenwänden auf keinen Diensten auflagen, waren niedriger als die breitgezogenen Kreuzgewölbe des Mittelschiffes, das durch seine beachtliche Höhe von neun Metern den Raum viel größer erscheinen ließ als er in Wirklichkeit war. Allerdings hatte diese Konzeption auch einen großen Nachteil: Von vielen seitlichen Plätzen aus war der Blick auf den Hochaltar durch die achteckigen, wenngleich auch schlank gehaltenen Säulen aus Ruhpoldinger Marmor behindert, von mehreren Plätzen aus gänzlich versperrt. 

Die vier Säulen mit sehr schlichten Kapitälen und rautenförmigen Einschliffen unterhalb der Kapitäle bewirkten durch ihre dunkelrote Tönung mit weißer Aderung ebenso wie das bei der durchlaufenden Orgelempore, bei den in die Südwand eingebauten Beichtstühlen und bei den Betstühlen verwendete Lärchenholz, daß der Kirchenraum für das Auge wohltuend und warm wirkte. Das mit Solnhofener Platten und Ruhpoldinger Marmor schachbrettartig verlegte Bodenpflaster unterstützte den freundlichen Eindruck ebenso wie die in weißem Verputz gehaltene Kanzel auf achteckigem Fuß an der Südseite des Chorbogens. Die vier dem Langhaus zugewandten Flächen des zum Chor hin offenen Achtecks der Kanzel waren mit Marmorreliefs versehen, die symbolhaft die vier Evangelisten darstellten: ein Engelskopf als Symbol für den Evangelisten Matthäus, ein Adlerkopf als Symbol für den Evangelisten Johannes, ein Löwenkopf als Symbol für den Evangelisten Markus und ein Stierkopf als Symbol für den Evangelisten Lukas. Rechts unten am Chorbogen befand sich der Hinweis auf den Grundstein, oben als Abschluß des Gewölbegipfels rechts das Wappen Pius XI. mit dem Papststab, links das Wappen des zur Erbauungszeit der Diözese München und Freising vorstehenden Erzbischofs, Kardinal Michael v. Faulhaber. Zwischen der Rundung des Chorbogens und dem Gewölbe forderte ein ausgerolltes Schriftband dem Patroziniumsgeheimnis gemäß die Gläubigen auf: Im Namen Jesu beuge sich jedes Knie im Himmel, auf Erden und unter der Erde. 

Die an den Schlußwänden der Seitenschiffe stehenden Seitenaltäre (links der Marienaltar, rechts der Antoniusaltar), wie der Hochaltar aus Ruhpoldinger Marmor gebaut, paßten sich mit ihrer einfachen, aber kräftigen Form gut in den Kirchenraum ein. Das Altarbild des Marienaltars zeigte eine realistisch gemalte Personengruppe, die vor einem mit Rosen geschmückten und mit einer Königskrone gekrönten Gnadenbild der dreimal wunderbaren Mutter von Schönstatt beten, das von zwei Engeln in einem Wolkenkranz gehalten wird. Das Altarbild begrenzte oben eine vier Strahlen und das mit Rosenblüten umwundene unbefleckte Herz Mariens einfassende Inschrift: Mater ter admirabilis, dreimal wunderbare Mutter. Das Altarbild des Anto niusaltars stellte den Heiligen dar, wie er Brot an die Armen verteilt. Auch dieses Altarbild trug als Abschluß eine Inschrift, die zwei barock geformte Putten vor einem Strahlenkranz umfing. Erwähnenswert im Langhaus sind auch die Apostelleuchter, da sie mit den Attributen (Märtyrerwerkzeugen) der Apostel verziert waren und so ganz besonders auf diese "Säulen der Kirche" hinwiesen. Der Tisch des Hochaltars war konisch geformt und hatte einen monstranzartigen Aufsatz. Der bis zum Gewölbe reichende Strahlenkranz umschloß in zwei barocken, mit Putten durchsetzten Wolkenkränzen das im Zentrum liegende N amen-Jesu-Monogramm IHS, das in der Weihnachtszeit durch ein Christkind, in der Osterzeit durch einen auferstandenen Heiland ersetzt werden konnte. Auf der linken Altarseite stand eine lebensgroße Figur des hl. Bernhardin von Siena, eines Franziskaners, der ein bedeutender Prediger des 15. Jahrhunderts in Italien und ein eifriger Förderer des Namen-J esu-Kultes war, auf der rechten eine lebensgroße Figur des hl. Ignatius von Loyola, der ja bekanntlich seiner Ordensgemeinschaft den Namen Jesu gab. Das Gewölbe im Altarraum war sternfächerig ausgebildet und unterstrich so seinen mystischen Charakter.

Überlegungen zum Kirchenumbau

Leider war die alte Kirche nur für eine Pfarrei von ca. 2 000 Seelen konzipiert und daher lediglich mit ca. 350 Sitzplätzen ausgestattet. Da vor allem nach dem zweiten Weltkrieg in Neufriedenheim eine stürmische bauliche Entwicklung einsetzte, die die Pfarrei bereits in den 60er Jahren auf ca. 10000 Seelen anwachsen ließ, wurde die Kirche zu klein, mußten Überlegungen angestellt werden, die Kirche zu vergrößern. Weitere Probleme ergaben sich dadurch, daß die Kirche den neuen liturgischen Anforderungen nur unzureichend genügte, daß außerdem der Pfarrei ein Pfarrheim, vor allem ein Pfarrsaal fehlten. So wuchs dem 1964 nach dem tragischen Tod von H. H. Stadtpfarrer Lukas Riedmaier nach Namen J esu berufenen Stadtpfarrer H. H. Johann Rieplhuber die Aufgabe zu, diese Probleme zu lösen. H. H. Stadtpfarrer Rieplhuber tastete sich gleichsam von Südwesten an die komplizierte Aufgabe Kirchenumbau heran. Er ließ als erstes den Kindergarten erweitern, dann nahm er den Bau eines Pfarrheims mit Pfarrsaal in Angriff, das 1970 eingeweiht werden konnte. Wie notwendig und wichtig diese Baumaßnahme war, bedarf keiner Erläuterung, denn jeder, der am Leben der Gemeinde - und sei es nur gelegentlich- teilnimmt, hat seine Nützlichkeit schon erfahren. Wo anders könnten Vorträge, Glaubensseminare, bunte und gesellige Abende, überhaupt außergottesdienstliche Zusammenkünfte der Gemeinde, nicht zuletzt die traditionsreichen und beliebten Faschingsbälle abgehalten werden als im Pfarrsaal? Woanders gäbe es Räume für die Jugend, für die Altenbetreuung und für die Pfarrbücherei als im Pfarrheim? Daß mit dem Bau des Pfarrheims ein Teil des zum Kindergarten gehörigen Spielplatzes verlorenging, konnte angesichts der Bedeutung des Pfarrheims in Kauf genommen werden, zumal ja der neue Verbindungstrakt zwischen Pfarrhaus und Kirche so angelegt wurde, daß ein überdachter Innenhof entstand, wo die Kinder auch bei schlechtem Wetter im Freien spielen können. 

Seit etwa 1967 nahmen die Überlegungen, wie die Kirche umgebaut werden sollte, Gestalt an. So war zunächst beabsichtigt, sie nach Süden und Westen zu erweitern. Im Süden sollten eine Beicht- und Taufkapelle sowie eine neue Sakristei angefügt, im Westen der Chor umgestaltet und vergrößert werden, und zwar so, daß der Kirchenraum eine Art Kreuzform erhielt, der nur das kurze Teil des Längsbalkens fehlte. Dadurch wäre eine zentrale Anordnung des Altars möglich gemacht, den neuen Liturgiebestimmungen gleichzeitig Rechnung getragen worden. Im neuen Teil der Kirche sollte zudem ein Bezirk für den Werktagsgottesdienst und für Gottesdienste im kleinen Kreise entstehen. Insgesamt wollte man mit diesem Umbau ca. 200 Sitzplätze zusätzlich gewinnen. Als technisch sehr schwierig zeigte sich sehr bald eine Anpassung des Langhauses an einen modernen Anbau, weil die Überwölbungen zu entfernen gewesen wären, dadurch aber statische Probleme auftraten. Je weiter die Überlegungen gediehen, desto mehr setzte sich bei den Verantwortlichen die Überzeugung durch, daß ein Abbruch der alten Kirche und ein anschließender Neubau nicht teurer käme als ein Umbau, der schließlich doch in einigen Punkten unbefriedigend bleiben mußte. So entschloß man sich nach gründlicher Beratung auch mit der kirchlichen Baubehörde dazu, die alte Kirche abzureißen und in den Jahren 1971/72 eine neue Kirche zu errichten.

Maximilian Mühlbauer
(Auszug aus der Festschrift
 zur 50-Jahr-Feier)